Die Heiligtümer

Das Marienkleid

Das Heiligtum des Marienkleides ist eine antike häusliche Webarbeit. Es darf vermutet werden, dass es als Unterkleid genutzt wurde. Darauf weist die früher gebräuchliche Bezeichnung für die Reliquie „Camisia" – Hemd – hin. Es besteht aus naturfarbenem Leinen und ist durch gewebte Längs- und Querstreifen quadratisch gemustert. In Israel gab es Flachs und Baumwolle nur an der Küste und im Tiefland des Jordan, für den alltäglichen Gebrauch wurden deshalb meist Wollstoffe verwendet. Das aus einem Teil ohne Naht gewebte Kleid weist eine fein gestickte Halsborte auf, die mäanderförmig gestaltet ist. Zwei aufrecht geführte Einschnitte an den unteren Seiten des Saumes sind ebenfalls mit einer mäanderförmigen Stickerei versehen, die jedoch eine andere Form hat als die Halsborte. Ein Ärmel des Kleides scheint früher länger gewesen zu sein, denn vom linken Ärmel wurde wohl etwas abgeschnitten. Als einziges der vier Heiligtümer im Aachener Dom wird es zur Heiligtumsfahrt entfaltet. Das Kleid ist 153 cm lang, der Saumumfang beträgt 246 cm, die Spannweite der Ärmel 132 cm.

Die Windeln Jesu

Es ist ein dicker und dicht gewalkter, brauner Stoff, der fast wie ein Filz wirkt. Im Zeitraum zwischen den Heiligtumsfahrten ist es dreifach zusammengefaltet. Wird es entfaltet, erkennt man seine Trapezform. Seine Oberkante ist in einer Art Halsausschnitt halbrund geöffnet. In Aachen erzählt man zu den Windeln Jesu seit langer Zeit, dass diese aus der Fußbekleidung des hl. Josef gemacht worden seien. Die „Botzen des hl. Joseph" seien zu einer Art an drei Seiten geschlossenen „Muff" zusammengenäht worden. Und genau diese Überlieferung weist darauf hin, dass uns die Windeln Jesu vor allem an seine Armut erinnern sollen. Während der Heiligtumsfahrt bleiben die Windeln mit einem Seidenband zusammengebunden.

Das Tuch der Enthauptung des heiligen Johannes des Täufers

An dritter Stelle in der Reihenfolge der Zeigung der Heiligtümer folgt das Tuch der Enthauptung des heiligen Johannes des Täufers. Als Symbol für seine Treue bis in den Tod wird es verehrt. Der Überlieferung nach soll in ihm das Haupt des Johannes nach dessen Hinrichtung unter Herodes Antipas geborgen worden sein. Das Tuch ist ein fein gewobener Damast und hat die Form eines länglichen Vierecks. Die Größe und Feinheit des Gewebes deuten auf einen wohlhabenden Besitzer hin. Es zeigt große Flecken (Blutspuren) und weist auch größere Löcher auf, da Teile dieses Heiligtums als Reliquien in andere Zentren des katholischen Glaubens verschenkt wurden. Zur Zeigung und Verehrung bleibt es zusammengefaltet, einmal in seiner Länge und zweimal in seiner Breite mit einem Seidenband umbunden.

Das Lendentuch Christi

Das grobe, gräulich-weiße Gewebe, aus dem das Lendentuch Christi besteht, ist wohl einst aus einem größeren Gewand herausgeschnitten worden. Dies – so wird vermutet – könnte ein Tunika gewesen sein. Denn darauf weisen zwei deutlich erkennbare Einsätze - einer ist noch vollständig erhalten - hin. Die Aachener Reliquie ist ein oben stumpf abgerundetes Dreieck. Da sein Stoffzustand zu einer sensiblen Behandlung rät, wird das Lendentuch auch währen der Heiligtumsfahrt nicht vollständig entfaltet. Es ist mit einem Seidenband kreuzweise zusammengebunden. Die Frage, ob Jesus am Kreuz ein Lendentuch getragen habe, ist immer wieder von Theologen diskutiert worden. Die biblische Leidensgeschichte erwähnt davon nichts, berichtet aber, dass die Soldaten die Kleider Jesu unter sich geteilt und um den Rock gelost hätten. Und es war sowohl römische, wie auch jüdische Sitte, dem Verurteilten ein Lendentuch zu lassen.